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Zenta Dzividzinska
ICH ERINNERE MICH AN NICHTS

Die Ausstellung „Ich erinnere mich an nichts“ ist eine Erzählung über die Zeit. Woran erinnern wir uns, was vergessen wir? Wo verbleibt die Zeit? Die schwarzweißen zwischen 1964 und 2005 im Freunde- und Familienkreis auf dem lettischen Lande entstandenen Fotos stellen Antworten auf diese Fragen dar. Durch den heutigen Blick geschichtet und bis zur Größe einer Leinwand vergrößert verleihen sie jedem von uns gelebten und bereits vergessenen Augenblick eine neue Wertstellung. Sie werden zu Stillbildern eines unmöglichen Dokufilms.

Ein suchender Blick in die eigene Vergangenheit versucht die „verlorene Zeit“ im Sinne Marcel Prousts zu visualisieren. Er findet einzelne Momente von Glück, Rast, Streit, häusliches Gespräch, Alltagsbeschäftigungen, die den größten Teil unseres Lebens ausmachen, aussichtslos aber vergessen werden. Es sind Anti-Ereignisse und Erlebnisse, die sich im Gedächtnislabyrinth verirren und sich in unserer Vorstellung vom One-Way-Verlauf der Zeit als Beweis des entropischen Gesetzes auflösen.
Die verlorene Zeit, durch diese Fotografien fixiert, hat sich als ein raues, nicht ästhetisiertes, unbearbeitetes und uninszeniertes Bild materialisiert. Diese Fotos agieren als Partisanen in der heutigen dominanten Bilderkultur, die sich auf visuelle Feinheit, technologische Perfektionen, das Spektakuläre und Ästhetisierte orientiert.

Zur Autorin
Zenta Dzividzinska (geb. 1944) ist Künstlerin, die seit 1964 mit der Fotografie arbeitet. Gleichzeitig hat sie sich mit Grafik Design  befasst.
Die aktuellsten Projekte der Künstlerin sind „Steinerne Frauen“ (2005), „Ich erinnere mich an nichts“ (2006).
Die Ausstellung „Ich erinnere mich an nichts“ wurde 2006 im Rahmen des jährlichen Lettischen Fotopreises, gestiftet von der Immobiliengesellschaft Latio, als „Die Fotoausstellung des Jahres“ ausgezeichnet.

Die Fotografien von Zenta Dzividzinska befinden sich auch in der Kollektion des Zimmerlimuseums  (New Jersey, USA). Unter den wichtigsten Veröffentlichungen sind Art of the Baltics: The Struggle for Freedom of Artistic Expression under the Soviets, 1945-1991 (2002) und Beyond Memory: Soviet Nonconformist Photography and Photo-Related Works of Art (2004) zu nennen.